Männer trauern anders. Von Elisabeth Levang.

Der Titel drückt aus, worum es in diesem Buch geht: Männer trauern anders. Hinzugefügt werden muss der nicht formulierte Nachsatz: … anders als Frauen.

In drei Teilen und 11 Kapiteln beschreibt die Autorin, wie Männer anders trauern, weil Männer anders sind (als Frauen). Jedem Kapitel geht ein Erfahrungsbericht von betroffenen Männern in Ich-Erzählform voraus, dem sich die Ausführungen von Elisabeth Levang anschließen. Teil eins ist überschrieben mit „Eine neue Perspektive gewinnen" und beschreibt in drei Kapiteln „Wenn Frauen und Männer trauern", die „Sprache der Trauer" und der „Prozess des Trauerns". Im zweiten Teil werden „Wirklichkeiten und Herausforderungen der Trauer" dargestellt unter den Überschriften „Leugnen, Zorn, Kontrolle, Verbitterung, Abhängigkeiten und Verzweiflung". Teil drei ist bezeichnet mit „Wege zurück ins Leben" mit den Unterkapiteln „Die Zeit der Verwandlung und Heilung" und „Veränderungen".

 Der Tenor des ganzen Buches ist: Männer gehen mit ihren Gefühlen, die sie sehr wohl haben, anders um als Frauen, nämlich geheimer, verborgener, versteckter, schweigsamer und nicht so offensichtlich. Dabei versucht Levang vor allem bei den Frauen um Verständnis der Andersartigkeit der Männertrauer zu werben. Es handelt sich nicht um ein wissenschaftliches Buch, das erzählend versucht zu erklären, wie Männer anders trauern.


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Zurück ins Leben. Hilfe für Trauernde. Von Martina Nicolaidis und Peter Zehentner. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2005.

Martina Nicolaidis gründete 1998 in München die Nicolaidis-Stiftungen gGmbH - Hilfe für verwitwete Väter und Männer (www.nicolaidis-stiftung.de) . Die Stiftung hilft mit Selbsthilfegruppen insbesondere jüngeren Frauen und Männern mit Kindern. Martina Nicolaidis verlor ihren Mann mit 29 Jahren bei einem Verkehrsunfall. Ihr Kind war damals sechs Wochen alt. In Deutschland leben 300 000 Witwen und Witwer unter 49 Jahren und noch einmal ungefähr 250 000, die unverheiratet liiert waren. Zur Situation von verwitweten Frauen gab es in einer älteren Ausgabe der Zeit (Nr. 3 vom 10. Januar 2002, S. 51) einen lesenswerten Artikel.

 Peter Zehentner ist Leiter von KIT (Krisen-Interventions-Team im Rettungsdienst) in München. Das weltweit erste Projekt dieser Art besteht seit 1994 als Bestandteil des Rettungsdiensts. Auf Auforderung von Rettungsdiensten, Polizei, Feuerwehr betreut die KIT Menschen, die unmittelbar nach einem belastenden Ereignis (plötzlicher Todesfall in der Familie, Unfall usw.) besondere Unterstützung benötigen.

 Die Autoren schildern in der Einleitung, wie die von ihnen initiierten Institutionen aus der eigenen Geschichte und ihren Erfahrungen entstanden sind. Martina Nicolaidis schildert eindrücklich, wie sie den Verlust ihres Mannes versuchte zu begreifen und zu verarbeiten. Sei lernte andere junge verwitwete Mütter und Väter kennen, mit denen sie eine Selbsthilfegruppe gründete, die sich mit deren spezifischen Lebens- und Trauersituation beschäftigte und zur Gründung der Nicolaidis-Stiftung mit zahlreichen, inzwischen bundesweiten Aktivitäten führte.

Peter Zehentner war schon früh freiwillig im Rettungsdienst engagiert, studierte Sozialpolitik und die seine Erfahrungen mit traumatisierten Hinterbliebenen führten ihn zum KIT. Er beschreibt dessen Einsatzmöglichkeiten und Arbeitsweise.

In den folgenden Kapiteln wird zunächst anhand des Phasenmodells von Verena Kast erläutert, wie Trauerprozesse ablaufen. Danach werden verschiedene Aspekte behandelt: körperliche und seelische Reaktionen, traumatische Verlusterfahrungen, Trauer nach Suizid, Trauer bei Kindern, Trauer bei Männern, Probleme von jung Verwitweten (ausführlich!): familiäre und finanzielle Belastungen, Erziehungsprobleme …. Hier werden konkrete Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffen mit einer Adressenliste im Anhang genannt.

 


Um Kinder trauern. Eltern und Geschwister begegnen dem Tod. Von Anja Wiese. Gütersloher Verlagshaus 2001, Taschenbuch, 158 Seiten.

 Anja Wiese, geboren 1948, ist hauptamtliche Trauerbegleiterin bei „Verwaiste Eltern Hamburg e. V." und Mitglied im Leitungsteam des Instituts für Trauerarbeit in der Evangelischen Akademie Hamburg. Dieses Buch schreibt sie „im Gedenken" an Malte, ihren zweiten Sohn, den sie im Alter von sieben Jahren (1972 - 1979) verloren hat. Das kurze Vorwort hat der evangelische Pastor Wolfgang Teichert verfasst, der das Hamburger Institut für Trauerarbeit und - zusammen mit Anja Wiese - die „Segeberger Trauerseminare" leitet. Er verlor selber eine seiner beiden Töchter durch einen häuslichen Unfall.

 In fünf Themenkreisen kommen betroffene Trauernde zu Wort, und Anja Weise lässt dazu auch Erfahrungen aus ihrer Begleitertätigkeit einfließen.

Unter „Trauerwege" beschreibt eine Mutter ihre tiefen, schmerzlichen Gefühle und berichtet über ihre Erfahrungen als Teilnehmerin einer kontinuierlich stattfindenden Gruppe für verwaiste Eltern. Bei einem Glatteisunfall am Neujahrstag 1997 kam ihre 19-jährige Tochter ums Leben.

In dem Kapitel „Geschwistertrauer" schildert eine Schwester ihre Trauer angesichts des Todes ihres Bruders, der mit nur fünf Wochen stirbt. Sie erlebt das ganze Gefühlschaos eines heranwachsenden jungen Menschen durch ihre Trauersituation in nochmals verstärkter Weise. Trauerseminare, Lesen und vor allem das Schreiben helfen ihr, mit sich besser klarzukommen und ihrer Trauer Ausdruck zu geben.

Anja Wiese geht dann als nächstes auf „hilfreiche Rituale" und Symbole ein, die es möglich machen, Trauer auch in Gemeinschaft zu erleben, zu gestalten und ins Leben zu integrieren. Ergänzt wird dieser Abschnitt durch den Bericht einer Mutter, deren Tochter mit 15 Jahren bei einem Autounfall starb, über ihre persönliche Erfahrung mit einem Trauerritual als Teilnehmerin an einem Wochenende in Bad Segeberg.

Zum Thema „Partnerschaft in der Trauer" werden Anregungen gegeben für den Umgang miteinander, aus der Erkenntnis heraus, dass Frauen und Männer die Trauer um das gemeinsame Kind auf unterschiedliche Weise erleben und durchmachen. Ein Vater gibt Einblick in seinen Trauerweg, den Welt- und Selbstbezug in dieser Zeit, sein Ringen in Glaubensfragen und seine Suche.

Jan Salzmann, Arzt für innere Medizin, erlebt „Trauer als Lebensprozess". Sehr früh sterben seine Drillinge; die damit verbundenen Erfahrungen werden zum Anlass, Fortbildungen auf diesem Gebiet für Krankenhausmitarbeiter anzubieten. Er schreibt hier zuerst als betroffener Vater und legt dann in einem zweiten Schritt als Arzt dar, was „gesund machend" und was „krank machend" auf dem Weg durch die Trauer sein kann.

Im Anhang findet man neben Literaturhinweisen auch die Adressen, Internetadressen und Telefonnummern regionaler Ansprechpartner, die Beleitangebote für Menschen in Trauersituationen vermitteln.

    




TrauerLeben Marburg e.V.